ABB modernisiert im Rahmen eines Statkraft-Auftrags drei norwegische Wasserkraftwerke
ABB wurde von Statkraft, Norwegens staatlichem Energieversorger, ausgewählt, um eine umfassende Modernisierung des Wasserkraftkomplexes Vikfalli zu leiten. Die drei Kraftwerke – Målset, Refsdal und Hove – liegen in der Gemeinde Vik, etwa 170 Kilometer nordöstlich von Bergen an Norwegens zerklüfteter Westküste, und erzeugen zusammen jährlich 830 GWh Strom. Zur Einordnung: Damit lassen sich etwa 53.000 norwegische Haushalte mit Strom versorgen. Der Auftrag wurde im zweiten Quartal 2026 verbucht; finanzielle Einzelheiten wurden nicht bekannt gegeben.
Bei diesem Projekt geht es jedoch um weit mehr als um routinemäßige Wartung. Es stellt eine strategische Investition in Norwegens Rückgrat der erneuerbaren Energien dar. Da Wasserkraft im Juni 2026 für fast 90 Prozent der gesamten Stromerzeugung des Landes verantwortlich war, ist die langfristige Zuverlässigkeit dieser Anlagen von entscheidender Bedeutung – nicht nur für die heimische Versorgung, sondern auch für Norwegens Rolle als Ausgleichsressource für die miteinander verbundenen europäischen Märkte.
Umfassende Modernisierung aller drei Kraftwerke
Der Vikfalli-Komplex umfasst drei Kraftwerke mit insgesamt fünf Erzeugungseinheiten: Målset (24 MW), Refsdal (92 MW) und Hove (68 MW). Der Leistungsumfang von ABB ist weitreichend und umfasst die vollständige Modernisierung der Steuerungs-, Schutz-, Erregungs- und elektrischen Infrastruktur. Im Mittelpunkt der Modernisierung steht die Installation des verteilten Leitsystems und der Überwachungsplattform ABB Ability System 800xA, die nahtlos in die bestehenden Turbinensysteme von Drittanbietern integriert werden, um im gesamten Komplex eine einheitliche Betriebsumgebung zu schaffen.
Darüber hinaus wird ABB für alle fünf Erzeugungseinheiten Erregungssysteme des Typs UNITROL 8000 installieren. Hinzu kommen fortschrittliche Cybersicherheitsmaßnahmen, elektrische Systeme für Niederspannung und Mittelspannung, Schwingungsüberwachung und -schutz, digitale Lösungen sowie die vollständige Lieferung und Installation der Kabel. Die Integration moderner Erregungs- und Schutzsysteme ist besonders bedeutsam, da sie die Einhaltung der sich weiterentwickelnden Netzanschlussregeln für Erzeuger sicherstellt und damit Stabilitäts- und Resilienzfunktionen ermöglicht, die für ein Stromsystem unverzichtbar sind, das wachsende Mengen variabler erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie aufnehmen muss.

Frühe Zusammenarbeit für optimale Ergebnisse
Eine Besonderheit dieses Projekts ist die Art und Weise, wie es zustande kam. ABB arbeitete bereits in der frühesten Entwicklungsphase mit Statkraft zusammen, um die technische Lösung festzulegen und zu optimieren, noch bevor der Hauptvertrag vergeben wurde. Inge Hass, Leiter des Kraftwerksbetriebs der Gruppe Sogn bei Statkraft, betonte den Wert dieses Ansatzes: „Die Modernisierung von Vikfalli ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der norwegischen Infrastruktur für erneuerbare Energien. Wir haben von Anfang an eng mit ABB zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass die Lösung optimal ausgelegt ist.“
Dieses Kooperationsmodell spiegelt einen umfassenderen Wandel darin wider, wie große Eigentümer kritischer Energieinfrastrukturen langfristige Modernisierungen angehen. Indem sie Technologiepartner früher einbinden, verringern sie Projektrisiken, verbessern die Ergebnisse und stellen sicher, dass die endgültige Lösung von Anfang an zweckgerecht ist.
Die Rolle der Wasserkraft in einer sich wandelnden Energielandschaft
Wasserkraft ist nach wie vor die drittgrößte Stromquelle der Welt und hatte 2024 einen Anteil von etwa 14 Prozent an der globalen Stromerzeugung. Da bis zum Ende des Jahrzehnts weltweit voraussichtlich mehr als 154 GW neue Kapazität ans Netz gehen werden, steht dem Sektor weiteres Wachstum bevor. Norwegen ist mit seinen reichhaltigen Wasserressourcen und seiner bergigen Landschaft weltweit führend in diesem Bereich und erzeugt etwa 90 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft.
Per Erik Holsten, Präsident des Geschäftsbereichs Energy Industries bei ABB, bringt die Bedeutung dieses Moments auf den Punkt: „Wasserkraft ist ein wichtiger Bestandteil eines wachsenden Energiesystems. Sie trägt dazu bei, die Kapazität erneuerbarer Energien auszubauen und stabile Grundlastleistung in das Netz einzuspeisen. Nun kommt es darauf an, sicherzustellen, dass bestehende Anlagen wie Vikfalli mit modernen Steuerungs- und Digitallösungen ausgestattet sind, damit sie diese Rolle auch künftig erfüllen können – sicherer, umweltfreundlicher und effizienter betrieben werden und für die Anforderungen des Netzes von morgen gerüstet sind.“
Die Arbeiten vor Ort in Målset sollen 2028 beginnen, Refsdal und Hove sollen 2029 folgen. In den kommenden Jahren wird diese Modernisierung nicht nur die Lebensdauer wichtiger Infrastruktur verlängern, sondern auch Norwegens Position als zuverlässiger Energiepartner Europas mit niedrigen CO₂-Emissionen stärken.