ABB stärkt Automatisierungsportfolio mit der empfohlenen Übernahme von Rotork
ABB hat eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme von Rotork bekannt gegeben, einem etablierten globalen Anbieter intelligenter, für geschäftskritische Anwendungen ausgelegter Durchflussregelungslösungen und führenden unabhängigen Hersteller elektrischer Stellantriebe. Das empfohlene Barangebot bewertet Rotork mit etwa 5,5 Milliarden US-Dollar und entspricht damit einem erheblichen Aufschlag von rund 60 % auf den jüngsten Dreimonatsdurchschnitt des Rotork-Aktienkurses. Jeder Rotork-Aktionär erhält 503 Pence je Aktie in bar sowie eine Zwischendividende von bis zu 3 Pence je Aktie für den Zeitraum bis zum 30. Juni 2026.
Bei dieser Übernahme geht es nicht nur um Größe, sondern um strategische Übereinstimmung. Rotorks Kompetenz in den Bereichen Durchflussregelung und Instrumentierung ergänzt ABBs bestehendes Automatisierungsportfolio in hohem Maße. Durch die Integration von Rotork stärkt ABB seine Position auf der Ebene der Feldgeräte und schließt den Automatisierungskreislauf mit intelligenten Geräten und Software, die industrielle Prozesse kontinuierlich überwachen und steuern. Das Ergebnis werden nach Überzeugung des Unternehmens sicherere, produktivere und nachhaltigere Abläufe für Kunden aus einer Vielzahl von Branchen sein.
Eine überzeugende strategische Ergänzung
Für ABB soll die Transaktion das Automatisierungsangebot erweitern und den Mix des Geschäftsbereichs Automation durch margenstärkere Produkte, Dienstleistungen und Lifecycle-Umsätze verbessern. Die Transaktion entspricht auf Basis der Ist-Zahlen für 2025 einem EV/Umsatz-Multiplikator von etwa 5,3x und einem EV/EBITDA-Multiplikator von rund 19,5x. Letzterer dürfte unter Berücksichtigung der erwarteten Synergien in Richtung des mittleren Zehnerbereichs sinken. Rotork verzeichnete unterdessen von 2022 bis 2025 ein durchschnittliches jährliches organisches Umsatzwachstum von 8 % und bedient unter anderem die Segmente Öl und Gas, Chemie, Prozessindustrie, Rechenzentren, Wasser und Energie. Mit einem Umsatz von rund 1 Milliarde US-Dollar im Jahr 2025 und einer bereinigten operativen Gewinnmarge von 24,6 % dürfte Rotork ABBs Umsatz um etwa 3 % steigern und sich unmittelbar positiv auf ABBs operative EBITA-Marge auswirken.
ABB-CEO Morten Wierod äußerte seine aufrichtige Anerkennung für Rotorks Leistungen: „ABB hat Rotork über viele Jahre hinweg beobachtet, und wir bewundern die herausragende Umsetzung, die technische Qualität und das Vertrauen der Kunden, die Rotorks Teams jeden Tag unter Beweis stellen.“ Er betonte die überzeugende strategische Ergänzung durch die Transaktion, die seiner Ansicht nach erheblichen Wert für Kunden, Mitarbeitende und Aktionäre beider Unternehmen schaffen wird. Wierod hob zudem hervor, dass Rotork seinen Unternehmergeist und seine Kundennähe – Eigenschaften, die maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben – bewahren und zugleich von ABBs globaler Größe und digitalen Kompetenzen profitieren werde.

Bewahrung von Rotorks Identität und Wachstum
Nach dem Abschluss der Transaktion soll Rotork als eigenständige Division innerhalb des ABB-Geschäftsbereichs Automation unter einem strategischen Wachstumsmandat tätig sein. Dieser Ansatz steht im Einklang mit dem ABB Way – einem dezentralen Betriebsmodell, das Verantwortlichkeit, Transparenz und schnelle Entscheidungsfindung in den Mittelpunkt stellt. Das Prinzip ist einfach: Betriebsentscheidungen werden am besten innerhalb der Divisionen und in Kundennähe getroffen. Für Rotork bedeutet dies Kontinuität in der Führung und die Freiheit, seine bewährte Growth+-Strategie fortzuführen und gleichzeitig neue Chancen zu nutzen.
Dorothy Thompson, Vorsitzende von Rotork, zeigte sich zuversichtlich hinsichtlich der Transaktion und wies darauf hin, dass der Verwaltungsrat einstimmig beschlossen habe, den Aktionären die Annahme zu empfehlen. „Der Verwaltungsrat ist der Ansicht, dass das Angebot von ABB die hohe Qualität von Rotork widerspiegelt und die bedeutenden Fortschritte anerkennt, die durch die erfolgreiche Umsetzung unserer Growth+-Strategie erzielt wurden“, sagte sie. Sie hob außerdem die gemeinsame Ausrichtung beider Unternehmen hervor, die sich auf Automatisierung und Elektrifizierung konzentrieren, um nachhaltigere und effizientere Abläufe zu ermöglichen.
Engagement für das Vereinigte Königreich und Finanzierung
ABB hat sein Engagement für Rotorks Präsenz im Vereinigten Königreich bekräftigt. Mit bereits mehr als 1.700 Mitarbeitenden im Vereinigten Königreich erkennt ABB Rotorks Rolle als bedeutenden Arbeitgeber im Ingenieurwesen und als wichtigen Beitrag zur industriellen Basis des Landes an. Derzeit gibt es keine Pläne für wesentliche Veränderungen an Rotorks Präsenz im Vereinigten Königreich. Sie soll weiterhin eine wichtige Fertigungs- und Technologiebasis bleiben.
Die Transaktion wird aus ABBs vorhandenen Barmitteln – zum 30. Juni 2026 etwa 5,8 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und marktgängigen Wertpapieren – sowie aus zugesagten Bankkreditlinien finanziert. Darüber hinaus soll der bereits unterzeichnete Verkauf von ABBs Robotics-Geschäft an SoftBank, dessen Abschluss für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet wird, rund 4,8 Milliarden US-Dollar an Nettoerlösen in bar einbringen. Dies wird ABBs Liquidität weiter stärken und zusätzlichen Spielraum für weitere M&A-Aktivitäten sowie die Umsetzung des Aktienrückkaufprogramms schaffen.